Der große Spiegel am Ende des Raums, vor dem ein Pianino steht..
Das nur auf den Sonntag wartet – um wieder bespielt zu werden..
Über ihm an der Decke thront eine Uhr inmitten der Holzverkleidung..
Die Zeiger bewegen sich ständig, alles ist im Wandel..
und doch scheint es als ob hier drinnen im Kaffeehaus sich nichts ändert. Es ist egal ob die Uhr “richtig” oder “falsch” geht, es spielt keine Rolle. Die Ober schweben mit ihrer leicht ärgerlichen Arroganz durch den Raum, werfen ab und zu einen entsetzten Blick auf die Touristen, die den Unterschied zwischen kleinem Braunen und Melange nicht verstehen und einfach nur eine Tasse Kaffee bestellen.
Ab und zu werden Stammgäste quer durch das Kaffeehaus laut rufend begrüßt -
“eh das Übliche?”
Auch mich kennen sie hier schon.
“Eine Melange nicht wahr?” Ich muss lächeln
“Ja bitte, und einen Topfenstrudel” (der ist hier nämlich am besten in ganz Wien)
Dann huscht ein Lächeln über das Gesicht der Dame, wohl verbunden mit der Hoffnung, dass mit jedem Besucher, der dieses schöne alte Wiener Kaffeehaus schätzt, die Chance steigt, dass es diese stürmischen Zeiten der Hektik und Modernisierung überstehen wird – und zwar als das was es ist. Als Ort, der keine Zeit kennt, der sich den Menschen widmet als Zufluchtsstätte vor dem Alltag und ihnen die Möglichkeit bietet, den Dingen Platz einzuräumen, für die sonst wenig Zeit bleibt: Dem Lesen, dem Kaffeegenuss und dem Austausch mit Freunden – eben Dinge, die abseits der vergangenen Jahre sich nicht geändert haben.
Manchmal sitze ich mit meinen Büchern, auf meinem Stammplatz an einem der großen Fenster und blicke gedankenverloren hinaus auf die bewegte Gumpendorferstraße.
Die Menschen strömen vorbei,
ab und zu bleibt jemand stehen und schaut herein und dann lächle ich zurück..
